B O O T S L A G E R

K O R S A R

 

Im Folgenden entsteht ein Bootslager - Logbuch, in dem die Fortschritte (und Rückschritte) bei der Instandsetzung der Timpe in regelmässigen Updates festgehalten werden.

Meine Timpe ist ein formverleimter Holzkorsar.

Während es für klassische Holzboote und für Boote aus modernen Materialien eine Fülle an Restaurierungsliteratur gibt, findet sich kaum etwas zum Thema Restauration von Sperrholzbooten. Insofern ist also ein wenig Recherche angesagt.

Mit diesem Bootslager - Logbuch möchte ich umgekehrt auch meine Erfahrungen anderen Sperrholzboot - Eignern zugänglich machen. Wenn ihr zu diesem Thema etwas mehr oder besser wisst als ich, schreibt es bitte in das Gästebuch hinein. Ich kann es dann in das Logbuch integrieren.

 

Ostern 2009: Bestandsaufnahme

 

Aus der Persenning rieselt feiner Sand. Kap Arkona lässt grüssen. Auf dem Speicher der Eltern ist alles noch so, wie ich es vor knapp drei Jahren verlassen habe. Hier gibt es einiges zu tun: Aufräumen, Instandsetzen, meine Erinnerungen und das Boot in die Gegenwart zurückholen.

Ich lade die Persenning ins Auto und fahre in den Nachbarort. 

 

 

In einer der Scheunen liegt meine Timpe. Es ist lange her, dass ich den Riegel des Scheunentors angehoben und das Tor geöffnet habe.

 

 

Da ist das gute Stück. Drei Jahre Abstinenz und ich bin ihrem Anblick sofort wieder erlegen. Es ist so, als entdecke ich meine Timpe gerade ein zweites Mal, nur mit dem schönen Gefühl, dass ich sie nicht mehr neu erwerben muss. Sie gehört bereits mir. Oder ich etwa ihr?

 

Der Staub auf meinem Boot ist gut! Er zeigt an, das meine Scheune trocken ist. Die Persenning blieb bewusst daheim. So konnte die Luft im Boot frei zirkulieren. 

Schicht um Schicht befreie ich meine Timpe vom Staub. Archäologiestunde. Zum Vorschein kommt ihr schönes Holz und ein deutlich gealterter Lack. Der muss mal neu. Kein Problem, immerhin hat er bei meiner Bootsnutzung fünf Jahre wartungsfrei gehalten!

Nun aber gibt es einiges Instandzuhalten. Und hier beginnt mein

 

Bootslager - Logbuch:

 

Ich mache mir eine Liste der Dinge, die zu tun sind:

 

Lackarbeiten:

Boot abschleifen und neuer Aussenanstrich. Der Zustand des Lacks (Rumpf Zweikomponenten - Klarlack, Deck Einkomponenten - Klarlack) nach fünf Jahren Bootsnutzung ist auf den folgenden Bildern dargestellt.

Das Deck zeigt Kratzer und ablösende Lackschichten:

 

 

Das Heck ist von Grossbaum und Pinne malträtiert worden:

 

 

Auch am Bug ist der Lack angegriffen. Komischerweise ist der Lack am Rumpf ansonsten in Ordnung. Nur vorne am Bug zeigen sich Risse.

 

 

Der Mast ist in starkem Masse durch das Scheuern der Wanten und Fallen beim Transport auf dem Trailer in Mitleidenschaft gezogen worden.

 

 

Strukturelle Reparaturen:

Loch im Bootsrumf reparieren - mein persönliches kleines Kap Arkona Trauma. Es wird Zeit, die Sache wieder in Ordnung zu bringen! Unsere provisorische Leckreparatur am nördlichsten Strand Rügens geschah mit Lochplatten, Maschinenschrauben, einem Stück Holz und Silikon.

 

 

 

Die Dichtigkeit entlang des Schwertkastens und an der Naht zwischen Spiegel und Rumpf wäre zu überprüfen und gegebenenfalls herzustellen.

 

 

Und dann gibt es natürlich noch alle weiteren Dinge, die nach und nach bei der Instandsetzung zum Vorschein treten und von denen ich jetzt noch nicht mal eine leise Ahnung habe :)

 

Arbeiten am Trailer:

 

Tja, auch da gibt es Dinge zu erledigen. Der Trailer braucht eine neue HU. Desweiteren neue Reifen. Die Elektrik muss überprüft werden.

Das eben gerade verbogene Endstück (es blieb in der Eingangsstufe zur Scheune hängen, danke!) darf ich wieder geradebiegen.

 

 

Und der Slipwagen benötigt neue Reifen (mal wieder! Diese Luftreifen sind empfindlich teuer und taugen einfach nichts! Gibt es da keine Vollgummireifen?)

 

 

So, die Bestandsaufnahme ist hiermit erstmal beendet. Die Dokumentation der Instandhaltung wird im Laufe des Arbeitsvorganges aktualisiert...

 

17. Mai 2009:

 

Heute ist Startschuss für die eigentliche Instandsetzung.

Zunächst muss der Slipwagen wieder gangbar gemacht werden. Dazu werden die kaputten Luftreifen entfernt und - ja es gibt sie tatsächlich - durch Vollgummireifen ersetzt. Ich habe sie bei www.radundrolle.de entdeckt.

 

 

Schwere Dinger sind das, aber sie machen einen absolut pannensicheren Eindruck. 

 

Deck neu lackieren:

Erstmal wird das Deck gründlich gereinigt, damit sich beim Abschleifen kein Dreck in den Lack hineinschleift. 

 

 

Dann müssen alle Beschläge ab. Gerade unter den Beschlägen ist der Lack in sehr schlechtem Zustand. Lackränder um alle Beschlagspositionen zeigen, dass zumindest der letzte Anstrich nicht bis unter die Beschläge ausgeführt wurde. 

 

 

Ich mache von allen Teilen, die ich abschraube, vorher - nachher - Fotos, um das Ganze nachher auch wieder ordnungsgemäß zusammenschrauben zu können. 

 

 

 

 

Auch die Klebestreifen werden abgezogen. Einmal mit einem kleinen Schraubenzieher eine Ecke angelöst, lassen sich die Anti - Slip - Zierstreifen in einem Stück abziehen. An den Kanten bleibt etwas Kleberest auf dem Lack, den ich mit meinem Scheuerschwamm und etwas Spüliwasser sehr gut entfernen kann.

Da steht meine Timpe nun - völlig gestrippt - und sieht etwas traurig aus. Da hole ich wohl schnell mal meinen neuen Exzenterschleifer und mache einfach weiter. Aber zunächst muss das Cockpit abgeklebt werden, damit keine Sauerei mit dem Sondermüll - Schleifstaub entsteht.

 

 

Nun aber endlich schleifen. Darauf habe ich mich schon die ganze Zeit gefreut:

TOOL TIME !!!

Ich nehme erstmal das 120er Schleifpapier, um den Schleifer überhaupt mal auszuprobieren. Schiesslich schleife ich zum ersten Mal in meinem Leben. Aber das Schleifen ist ein ganz intuitiver Vorgang, der sofort gelingt. In Windeseile ist das komplette Deck angeschliffen - whow - das lief schneller, als gedacht. 

 

 

Mir kommt der unbescheidene Gedanke: wie wäre es, wenn ich den Lack ganz abschleife und die Beize gleich mit erneuere? Vor meinem geistigen Auge erscheinen die Holzjollen, die ich schon einige Male auf der Boot in Düsseldorf gesehen habe, mit ihrem makellos perfekten Lackkleid. Ja: warum nicht ganze Sache machen?

Die Internetrecherche zum Thema Deck beizen (Freundeskreis Klassische Yachten) gibt einerseits gute Tips, andererseits verwirren die vielen Meinungen aber auch. Darum rufe ich kurzerhand Herrn Dannhus an, dem ich die Jolle nächste Woche ja sowieso zur professionellen Leckreparatur anvertraue.

Herr Dannhus fasst das scheinbar Komplizierte einfach zusammen: Wenn nach dem Schleifen noch Lackreste drauf sind, habe ich zu wenig geschliffen (Anfängerfehler 1) und wenn die zweite Furnierschicht durchkommt, zuviel (Anfängerfehler 2). Hört sich plausibel an. Also gehe ich es an.

 

 

Zunächst wechsle ich auf das 60er Papier um, dass ich mir mittlerweile aus dem Baumarkt geholt habe. Das nimmt auch ganz gut was weg. Aber nach einem Rundgang um das Boot wechsle ich wieder auf 120. Stück für Stück kommt langsam das herrliche Naturholz zum Vorschein. Ein wirklich sinnliches Erlebnis - anders kann ich es nicht beschreiben!

Ich bekomme ein Gefühl für den Punkt, an dem das Holz zum Vorschein kommt: wenn ich auf Holz bin, verschwindet der milchige, hellgraue Schleier, sowie die dunkle Beizfarbe und der Schleifstaub verfärbt sich gelb.

 

 

20.05.09

Der Zeitplan ist dahin. Es sei denn, ich lege die nächsten Tage Sonderschichten hin. Aber auf der anderen Seite entlohnt das Resultat: das Holz, das hier zum Vorschein kommt, ist 1962 - vor 47 Jahren - verbaut worden! Und: es sieht aus, wie neu aus dem Laden! Wenn man sich das mal vergegenwärtigt, dann ist das schon der Hammer!

 

 

25.05.09

Mit halb abgeschliffenem Deck wird das Boot für die Reise verpackt. Es geht zum berühmten Yachtbauer Fricke & Dannhus am Dümmer See...

 

 

... mit einem kleinen Umweg über Detmold. Ich besichtige die Fahrradschmiede Bernds, bei denen ich ein wirklich cooles Faltrad für meine bevorstehende grosse Segelreise in Auftrag gebe.

 

 

Dann steht das Boot auch schon in den heiligen Hallen von HD - Yachtbau. HIER WERDE ICH GEHOLFEN!

 

 

12.06.09

So, das Leck ist wieder dicht. Knapp 300 Euro hat die Behandlung von Meisterhand gekostet. Resultat: wie neu!

 

 

 

Aussen wurde eine Lage Laminat grossflächig erneuert, innen ein Holzdübel gegengesetzt. Dann wurde mit 2 Komponentenlack versiegelt. Innen wurde die GFK - Lage an der Bruchstelle erneuert.

Diese Reparatur hätte ich mir selber nicht zugetraut. Zumal sie für die Erhaltung des Bootes wichtig war. Wenn das Holz in diesem Bereich erstmal zu rotten beginnt, hat man durch die eventuell unsachgemässe Eigenarbeit nichts gewonnen...

Wie auch immer - ich bin froh, dass diese Baustelle endlich mal abgeschlossen ist. Jetzt "nur noch" das Deck weiter abschleifen und Lackieren, und "schon" kann es wieder mit dem Segeln losgehen. Wenn man das Mahagonideck befeuchtet, kommt ein so tiefer feuriger Holzton zum Vorschein, dass - wie Herr Dannhus schon angedeutet hatte - im Leben nicht gebeizt werden muss, sondern nur klar lackiert. Ich freu mich schon drauf.

Da ab übermorgen eine grosse Segelreise geplant ist, wird diese Seite nun erst einmal ruhen...